Erneuter Terror und Vertreibung aus Aleppo!

Offener Brief von Pastorin Daniela Nischik an Außenminister Wadephul zum Massaker an Kurden in Aleppo, Syrien

Sehr geehrter Herr Außenminister Wadephul, ich schreibe Ihnen im Namen unseres kleinen Hilfsvereins SOS Afrin/ www.sos-Afrin.de . Dieser Verein unterstützt seit 2019 die im März 2018 aus ihrer Heimatregion Afrin in Nordwest-Syrien durch die türkische Invasion Vertriebenen Kurden. Viele der Vertriebenen lebten inzwischen in den beiden kurdischen Stadtteilen von Aleppo, bis zu dieser Woche lebten in Den Stadtvierteln Sheikmaqsood und Ashrafiye etwa 500.000 Menschen, mehrheitlich aus Afrin stammende Familien, darunter 1.200 yezidische Familien sowie auch Christen. Mit großem Schrecken verfolgt unser Verein seit 3 Tagen Berichte über Bombardierungen, Granatenangriffe, Massaker, Entführungen von Frauen und Vertreibung. Diese aus ethnischem und religiösem Hass betriebene Campagne läuft unter der Anleitung des türkischen Außenministers und gleichzeitig Militärbeauftragten der Türkei für Syrien, Herrn Hakan Fidan. Das syrische Militär hat die Kurdischen Stadtviertel als „militärische Ziele“ ausgegeben und gibt türkischen Kampfflugzeugen Koordinaten durch, unter Anderem die „Zielkoordinaten“ einer melkitischen (Griechisch-katholischen) Kirche, deren Gelände von 40 Familien (Zivilisten!) bewohnt wird. In den Kurdischen Stadtvierteln hielten sich überhaupt nur Zivilisten auf, lediglich unterstützt von örtlicher Kurdischer Polizei. Angesichts dieser erneuten Vertreibung und Kriegsverbrechen an Kurden in Syrien fordern wir die deutsche Regierung dazu auf: Stoppen Sie sofort jegliche Hilfe, Einladung und wirtschaftliche Unterstützung der Julani / alias Al-Sharaa-Regierung in Damaskus ! Vielmehr bitten wir Sie dringend um diplomatische Unterstützung und Anerkennung der Demokratischen Selbstverwaltung in Nordost-Syrien sowie um wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dieser. Außerdem benötigen alle verfolgten Minderheiten in Syrien unsere humanitäre Unterstützung, also Aleviten, Druzen, Kurden und Christen. Wir fordern Sie dazu auf, im Rahmen der NATO Druck auf die Türkei auszuüben, sich umgehend aus Syrien zurück zu ziehen und ihre militärische Zusammenarbeit und Instruktion der Julani-Regierung einzustellen! Wir sind in ständigem Kontakt mit Menschen vor Ort und alle unsere Informationen beruhen auf zuverlässigen Quellen. Bitte stehen Sie in Ihrer wichtigen Position als Christ den Verfolgten bei! Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen für gutes Gelingen im Sinne der Menschlichkeit, Pastorin Daniela Nischik für SOS Afrin www.sos-Afrin.de mail@sos-afrin.de

Weihnachten von Leipzig bis Rojava — ein Feature von freie-radios.net

Ein kurdischer Christ aus Rojava über Weihnachten, Basisdemokratie und die aktuelle Lage

Hier das ganze Interview: https://www.freie-radios.net/140229

 

Vertrieben in eine ungewisse Zukunft

Kinder aus vertriebenen Familien aus Afrîn

Die Region Afrîn im Nordwesten Syriens war mit ihrer kurdischen Bevölkerung und zahlreichen Inlandsflüchtlingen aus Aleppo und anderen Orten lange Zeit ein Hort der Ruhe und des Friedens inmitten des syrischen Bürgerkriegs. Trotz eines Embargos durch die Türkei und umzingelt von Islamisten führten die multireligiösen Einwohner ein selbstverwaltetes, vielfältiges und tolerantes Leben. Sunniten, Aleviten, Yeziden, Christen und areligiöse Menschen lebten friedlich zusammen.

Von Januar bis März 2018 führte die Türkei einen blutigen Eroberungskrieg gegen die Region Afrîn und nahm am 18. März 2018 die Stadt Afrîn gemeinsam mit djihadistischen Terrorbanden ein. 350.000 Kurden flüchteten aus Afrîn und fanden keinen sicheren Ort, da eine Zuflucht nach Aleppo zu viel Bestechungsgeld kostete. Die Region Shehba, in der die Menschen strandeten, war bereits vom Krieg zerstört und vermint.

Bis heute halten sich etwa 200.000 Vertriebene aus Afrîn außerhalb von Aleppo in der Region Shehba auf. Die meisten Vertriebenen leben in Ruinendörfern und ca. 15.000 davon in Zelten aus feuergefährlichem Material, die im Winter der Kälte und Nässe ausgesetzt sind. Die Vertriebenen aus Afrîn leben unter anderem in fünf Camps in der Region Shehba.

Der Verein SOS Afrîn – ein Herz für Syrien!

Arme alte Witwe erhält Spende vom Verein SOS Afrîn

Die Pastorin Daniela Nischik ist seit 20 Jahren Leiterin des Evangelischen Blindendiensts Berlin. Seit 1995 war sie insgesamt 14 Mal in Süd-Kurdistan (Irak). 1999/2000 hat sie dort als Freiwillige als Englisch-Lehrerin an einer Blindenschule mitgearbeitet. Seit 1997 reiste sie auf dem Weg nach Süd-Kurdistan mehrfach durch Syrien. 2007 und 2009 leitete sie zwei kleine Reisegruppen nach Syrien.

Im Mai 2018 konnte sie mit einer vierköpfigen Delegation auf Einladung einer kurdisch-syrischen Frauenorganisation drei Tage lang die Geflüchteten aus Afrîn in der Region Shehba besuchen. Die Menschenrechtsdelegation hatte sich zu Aufgabe gemacht, die humanitäre Situation in Nordsyrien zu überprüfen und sich über die prekäre Situation der vertriebenen Menschen ein persönliches Bild zu  machen. Ferner wollte Pastorin Daniela Nischik Menschen nahe sein, die sie sonst immer nur auf Facebook oder im Internet gesehen hatte. Zum einen, um ihnen zu zeigen: Ihr seid nicht vergessen! und zum anderen, um nach der Reise hier Öffentlichkeit zu schaffen.

Daraus entstand die Idee, einen Verein zu gründen. Ihr unermüdliches Engagement fand Mitstreiter*innen. So wurde der gemeinnützige Verein „SOS Afrîn“ im September 2019 geboren.